kulturistik

2017

Kollaboration mit Esther Vörösmarty

Installation und Video
Video 1 (großer Raum): 4:13 (loop)
Video 2 (kleiner Raum): 0:10 (loop)

Es herrscht keine Ruhe, keine Zufriedenheit mit dem, was ist. Denn was ist, ist das, was sein muss, wie es sein soll, aber nie sein kann. Das Individuum ist gefangen im rastlosen Streben nach Optimierung, Macht und Anerkennung in einer Gesellschaft, deren Werte sich um ein Egozentrum positioniert haben, welches von narzisstischen Charakterzügen konstruiert wird. Das natürliche Verhalten, Alphatieren respektive Idolen nachzueifern, sich an ihren Werten und Fähigkeiten zu orientieren und an ihnen zu wachsen, mutiert in der narzisstischen Gesellschaft zu einer regelrechten Sucht, aus einem Selbst ein immerzu neues, perfektioniertes Ideal zu kreieren und sich dabei selbst die höchste Priorität und Anerkennung zu sichern. Eine ausufernde Selbstwertregulierung, die dem alltäglichen, allgegenwärtigen Narzissmus Untertan ist, bestreitet den ständigen Kampf, einen vermeintlichen Idealzustand zu erzielen und den eigenen Körper in erzwungene Formen zu zwängen, seine Funktion zu manipulieren und sich dabei für das “Like”, die heuchlerische Anerkennung der Istzeit, zu deformieren. In ihrer Gefallsucht wenden die egozentrischen Individuen Großteile ihrer Zeit darauf an, das eigene Optimum, in Getriebenheit und hektisch suchend nach dem nächsten Hochgefühl und von abstrakten Misserfolgen begleitet, durch die verzerrte Selbstdarstellung zumindest zu mimen. Das neueste Modell muss man selbst sein, eine verbesserte Version seines Echos aus der fehlgeleiteten Gesellschaft. Das, was gestern war, ist heute nicht genug. Die neu erschaffene Kreatur, die von abstrakten Werte wie Schönheit und Ruhm geleitet wird, ist lediglich eine Reflexion, die das sich selbst glorifizierende Ego-Extrem nährt. (Selbst-) Kritik ist nichts weiter als ein namenloser Rücklauf im Spiegel der Hybris. Die größenwahnsinnige Masse folgt der sozialen Macht des narzisstischen Wertekodexes. Statt dem steten Prozess, sich einer tatsächlich optimierenden Selbstreflexion hinzugeben, unterwirft sich das Wesen der Beurteilung anonymer Reflexionsflächen und ist dabei aber unfähig, rationale Kritik zu ertragen, geschweige denn Kritik an sich selbst zu üben.
Annabella Khom