divergent

2018

 

Die Fotografin Elena Kristofor arbeitet verstärkt mit spiegelnden Objekten. Oft sind es Quader, aber auch Glasplatten, sowie Spiegelfolien, die sie auf freien Flächen, in der Natur, sowie in Innenräumen positioniert. Deren Wirkung auf die Umgebung ist dabei sehr gegensätzlich. In der Natur aufgestellte Objekte werden von der Umgebung soweit absorbiert, dass der Eindruck einer Anomalie entsteht, einer Täuschung der eigenen Wahrnehmung. Als würde die Perspektive gebrochen, da die Quader die Umgebung widerspiegeln und sich somit das Objekt als solches auflöst, denn oft bleiben lediglich die Konturen der geometrischen Formen erkennbar (phantom, Kristofor & Kleymenova, 2015). Im Unterschied zu den Aufnahmen in der Natur wirken Innenaufnahmen, sowie Aufnahmen im urbanen Zusammenhang häufig raumverfremdend.
Die Fotografin arbeitet derzeit an neuen Werkserien und verlagert mit ihnen die bisherigen Schwerpunkte. Weniger Bedeutung wird nun der Spiegelung beigemessen, sondern verstärkt dem Objekt aus Spiegeln, im skulpturalen Sinne. Die Serie „divergent“ zeigt Spiegelsäulen in unterschiedlichen Anordnungen. Wände, Fenster, Möbel falten sich um rechteckige Quader aus Spiegeln und entfremden den Raum soweit, dass das gewohnte Formenverständnis außer Kraft gesetzt wird – Räume lösen sich auf, Spiegelungen verschmelzen zu abstrakten Gebilden ohne erkennbare räumliche Tiefen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Schärfenverlagerung. Die Säulen, die auf weißen Sockeln platziert wurden, zeichnen sich unscharf vom ebenfalls weißen Hintergrund ab, der Fokus liegt auf den sich spiegelnden Objekten. Es gibt keine eindeutigen Grenzen, keine klare Definition – ein Gefühl der Leere, aber auch der Leichtigkeit entsteht. Auf den ersten Blick ist man erinnert an eine Städtelandschaft. Beschäftigt man sich mit dem Werdegang der Fotografin, scheint diese Parallele logisch, da sich Kristofor intensiv mit Architektur auseinandersetzt – jedoch trügt der Anschein, handelt es sich hierbei vielmehr um die völlige Auflösung des Raumes. Die Wahl einer Digitalkamera für dieses Projekt mag richtig sein und spielt der sehr analytischen Bildkomposition entgegen. Unterschiedlich angeordnet, unterschiedlich in Höhe und Drehung, bricht sich das Licht in den Spiegelsäulen und damit auch die Farben divergent.